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Fürstenstein liegt rund 25 Kilometer nördlich von Passau inmitten der reizvollen Landschaft des Dreiburgenlandes.

Sein malerisch auf einem Bergrücken gelegenes Schloss ist schon von weitem zu erkennen und grüßt weit hinaus in das Passauer Land.

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Das Ehrenamt ist kein Auslaufmodell

Fürstenstein, den 02. 02. 2023

Rückblick und Ausblick beim Neujahrsempfang der Gemeinde Fürstenstein - Staatssekretär a.D. und Altlandrat Franz Meyer hält Festansprache

 

Rückblick und Ausblick hielt Bürgermeister Stephan Gawlik beim Neujahrsempfang der Gemeinde Fürstenstein. Doch auch der Dank und die Anerkennung an die vielen ehrenamtlich Tätigen in der Gemeinde kamen bei dem Festakt nicht zu kurz. Zahlreiche Vertreter – rund 70 an der Zahl – von Vereinen und Verbänden sowie aus der Politik und Kirche fanden sich zu diesem freudigen Anlass nach drei Jahren Coronapause im Rathaussaal ein. Als Festredner zum Neujahrsempfang konnte Staatssekretär a.D und Altlandrat Franz Meyer gewonnen werden. Musikalisch wunderbar umrahmt wurde der Empfang von der Kreismusikschule Passau mit Gesangssolistin Anna–Lena Müller und begleitet von Kurt Brunner M.A. am Klavier.


„Auf Euch kann ich mich als Bürgermeister und können wir uns als Gemeinde seit vielen Jahren verlassen. Und das ist ein Gefühl, das mich zutiefst beruhigt“, würdigte Bürgermeister Stephan Gawlik gleich zu Beginn seiner Rede das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die stellvertretend für viele andere zu diesem Empfang gekommen waren. Unter den Gästen begrüßte er besonders den Festredner des Neujahrsempfangs Staatssekretär a.D. und Altlandrat Franz Meyer, Pfarrer i.R. und Bürgermedaillenträger Klaus Hoheisel, Dekan Pfarrer Johannes Graf, Honorarkonsul und MdL a.D. Konrad Kobler, den Leiter der Kreismusikschule Kurt Brunner M.A., Rektorin Susanne Höglinger–Winter mit Gatten, Rektorin i.R. Waltraud Seider, Ehrenbürger Frank Kubitschek, die weiteren Träger der Bürgermedaille Monika Höglinger, Alois Mandl, Ludwig Traxinger, Walter Kaiser und Josef Enzesberger sowie 2. Bürgermeister Walter Knoller mit den Gemeinderäten und Geschäftsleiter Tobias Klessinger mit dem Gemeindepersonal.

 

„Wir leben in bewegten Zeiten,“ so Bürgermeister Stephan Gawlik in seiner Ansprache. „Denn die Welt kam nicht nur mit Corona ins Wanken. Es fiel und fällt uns allen schwer, zu Zeiten der Pandemie, eines sinnlosen und brutalen Angriffskrieges von Russlands Diktator Putin gegen die Ukraine, den tagtäglich unzählige unschuldige Menschen mit dem Leben bezahlen müssen, einer damit einhergehenden Inflation und explodierender Energiepreise sowie Rezessionsängsten das Gleichgewicht zu halten. Nicht wenige von uns leben in Sorge, viele Familien müssen den Gürtel enger schnallen, Existenznot und Angst machen sich bei vielen Menschen breit.

 

Doch wie sehr wir auch aus der Bahn geworfen werden – eines ändert sich wohl nicht – die Stabilität, die Sie alle hier für unsere Gemeinschaft bedeuten. Der Halt, den Sie Ihren Mitmenschen geben. Die Kraft, mit der Sie alles zusammenhalten. Ihr herausragendes ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement. Und das ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je,“ würdigte der Bürgermeister das Engagement der vielen Ehrenamtlichen in der Gemeinde.

 

Stephan Gawlik weiter: „Besonders heute ist es mir wichtig zu sagen, dass Ehrenamt die Demokratie stärkt, die derzeit immer mehr in Gefahr zu geraten scheint. Ohne Ehrenamt funktioniert keine Demokratie der Welt.

 

An diesem Punkt möchte ich ein Thema ansprechen - die Übergriffe auf Einsatzkräfte in der Neujahrsnacht machen mich sprachlos. Menschen zu attackieren, die ihre Zeit einbringen anderen zu helfen, ist nicht nur eine Straftat, sondern in höchstem Maße menschlich verwerflich und asozial. Um es in einem Satz zu sagen: „Keine Gewalt gegen Retter!“

 

Und auch die Auslösung absichtlicher Fehlalarme, wie jüngst bei uns in Fürstenstein, ist kein Kavaliersdelikt. Gegen solche Chaoten muss der Staat mit der vollen Härte des Gesetzes vorgehen. Denn die Kameradinnen und Kameraden unserer Feuerwehren riskieren bei ihren Einsätzen oft selbst ihre Gesundheit, sie sind Tag und Nacht zur Stelle und stellen sich gefährlichen und schwierigen Situationen. Gerade diese Menschen verdienen unseren höchsten Respekt.

 

So überaus engagierte Menschen wie Sie, die Sie heute hier versammelt sind, verdienen es, wesentlich stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu werden und nicht die Pattex- und Sekundenkleber, die sich auf Straßen und Landebahnen festkleben und uns damit nur schikanieren, aber in Wahrheit nichts, aber auch gar nichts bewegen.

 

Auch wir wollen das ehrenamtliche Wirken in unserer Gemeinde künftig noch besser würdigen und völlig zurecht und hoch verdient ins Rampenlicht rücken. Deshalb haben wir kürzlich einen eigenen Ehrenamtspreis eingeführt, der voraussichtlich beim Neujahrsempfang im kommenden Jahr erstmals verliehen wird. „Ehre, wem Ehre gebührt.“

 

Sie alle sind da, wenn Sie gebraucht werden, Sie setzen Ihre Zeit und Ihre Kraft zum Wohle Ihrer Mitmenschen ein. Dafür kann ich mich heute nur aus tiefstem Herzen bei Ihnen allen bedanken, so Bürgermeister Stephan Gawlik. Wie heißt es so schön: „Einem Menschen zu helfen, mag nicht die ganze Welt verändern, aber es kann die Welt für einen Menschen ändern.“ Und ich bin davon überzeugt, gemeinsam können wir Gewaltiges bewirken. Wir können die Welt für viele Menschen ein Stück besser machen. Sie haben es in der Vergangenheit bereits eindrucksvoll und mannigfaltig bewiesen.“

Nach den beeindruckenden Worten des Bürgermeisters hörten die Besucher ein weiteres Lied von Solistin Anna–Lena Müller mit dem Titel „On my own“ aus dem Musical Les Mirables und leiteten damit zur Ansprache des Festredners über.

 

„Ehrenamt ist der Kit in unserer Gesellschaft und Fundament auch für unsere Demokratie“, so Festredner Staatssekretär a.D. und Altlandrat Franz Meyer zu Beginn seiner vielbeachteten Ansprache.


„Wir alle wollen in einer menschlichen und vitalen Gesellschaft leben und ganz bestimmt nicht in sozialer Kälte erfrieren. Und für diese Lebensqualität braucht es im hohen Maße bürgerschaftliches Engagement.

Es ist unmöglich, alle Bereiche aufzuzählen, wo freiwillige Arbeit geleistet wird. Eines aber haben alle „Ehrenamtler“ gemeinsam: Sie wissen, dass Tugenden wie Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und Solidarität praktisch gelebt werden müssen. Dafür sind sie bereit, etwas sehr Wertvolles einzubringen, nämlich ihre Zeit.

 

Ein Aspekt, der mir persönlich sehr wichtig ist, ist der Begriff Heimat. Gerade in einer immer unübersichtlicher werdenden globalen Welt brauchen wir ein fest verankertes Zuhause. Die Verwurzelung in der Region, in der Heimat, hat für alle Menschen eine immer größere Bedeutung. Ich fühle mich an meinem Heimatort wohl, weil ich die Menschen mit all ihren Eigenheiten, mit ihren Traditionen und mit ihren religiösen Einstellungen verstehe. Vertrautheit schafft Geborgenheit und das gibt uns Identität und Unverwechselbarkeit. Das macht Heimat aus.

 

Und natürlich bedeutet Heimat ein soziales Umfeld, das Halt gibt. Hier sind Menschen, die sich kümmern und bereit sind zu helfen und füreinander einzustehen und nicht fremd und teilnahmslos aneinander vorbei leben.

 

Deshalb ist es unendlich wichtig, dass es Menschen gibt wie Sie, die bereit sind, über das eigene Ich hinaus zu denken und zu handeln. Wir brauchen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich für die Mitmenschen, ihre Berufskollegen, für die Gemeinschaft und für ihre Heimat einsetzen.

Der ganz überwiegende Teil der ehrenamtlichen Tätigkeiten finden weiterhin in bewährten Strukturen statt: Stichworte sind hier die Wohlfahrtsverbände, Parteien, Kirche, Verbände und Vereine. Diese sind die Lebensadern der solidarischen Gesellschaft. Wir müssen dafür sorgen, sie stark und lebendig zu erhalten. Wenn wir dies tun, brauchen wir keine Angst zu haben, dass unser Umfeld immer kälter, egoistischer und rücksichtsloser wird.

 

Es ist Menschen wie Ihnen zu verdanken, dass wir in einer Gesellschaft leben dürfen, in der das Ehrenamt noch einen hohen Stellenwert hat und kein Auslaufmodell ist und auch nicht wird.

Man kann hierfür nicht genug Danke sagen und seine Anerkennung zum Ausdruck bringen. Ich möchte an dieser Stelle meinen Dank aber auch auf die Familien und Freunde ausweiten, ohne deren Verständnis und Unterstützung die Übernahme eines Ehrenamtes oft nicht möglich wäre.“

 

Festredner Franz Meyer abschließend: „Sie alle, die ehrenamtliche Arbeit leisten sind Vorbilder, Sie alle leben durch Ihr Engagement Werte vor, die unbezahlbar sind und sorgen für ein menschliches funktionierendes Miteinander. Dafür spreche ich Ihnen allen meine aufrichtige Anerkennung, meine Hochachtung und meinen Respekt aus.“

 

Nach einem großen Applaus der Gäste und zwei weiteren Liedern bedankte sich Bürgermeister Stephan Gawlik mit herzlichen Worten bei Festredner Franz Meyer für die so zutreffenden Worte sowie bei Anna–Lena Müller und Kurt Brunner M.A. für die wunderbare musikalische Umrahmung mit kleinen Präsenten, dankte allen Gästen für ihre Teilnahme und lud im Anschluss zu einem Stehempfang mit zwangloser Unterhaltung ein.

 

Text und Bild Josef Enzesberger

 

 

Bild zur Meldung: Das Ehrenamt ist kein Auslaufmodell